Brief an Regierungsrätin Karin Keller-Sutter
Justiz- und Polizeidepartement
Regierungsrätin Frau Karin Keller-Sutter
Oberer Graben 32
9001 St.Gallen
Amriswil, den 12. September 2005
Betreff: MARCHE BLANCHE
KJPD St. Gallen unterstützt den sexuellen Missbrauch an Kindern
Sehr geehrte Regierungsrätin Frau Karin Keller-Sutter
Wie bereits im letzten Jahr, nahm ich am diesjährigen Marche Blanche in St. Gallen teil. Eigene Erlebnisse, meine Arbeit unter Betroffenen und meine Öffentlichkeitsarbeit haben mich sensibilisiert, weshalb ich mich auch aktiv gegen Kindesmissbrauch einsetze. Ihren Aufruf gegen Kinderpornographie und gegen jegliche Verletzung der sexuellen Integrität von Kindern unterstütze ich mit aller Deutlichkeit. Umso erschreckender, dass konträr zu Ihrem Standpunkt, Opfer- und nicht Täterpolitik zu betreiben, Ihr Kantonaler Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst (Brühlgasse 35/37, Postfach, 9004 St. Gallen) sexuelle Handlungen an Kindern mit einer überzeugten Täterpolitik fördert und Opfer ungeschützt dem Täter ausliefert.
Gemäss Auffassung der Oberärztin Dr. med. Monika Strauss und der Psychologin Frau Dr. Vera Brunner-Kalmann sind sexuelle Handlungen an Kindern legitim, solange der Täter bei seinen Handlungen keine Triebbefriedigung verspürt, so Zitat aus der Expertise vom 02.09.2003 auf Seite 25: „Für die Definition eines sexuellen Übergriffes fehlt die eigene Triebbefriedigung“ und ergänzend dazu im Ergänzungsgutachten vom 14.06.2004 auf Seite 4: „Es ist unbestritten (und wird auch an keiner Stelle verneint), dass die Interaktionen [...] mit dem Genitalbereich von Fabian als übergriffig gewertet werden mussten und damit sicher ungünstig sind“. Auf ausdrückliche Empfehlung des KJPD St. Gallens hin, wurde das Kind beim Täter plaziert, ohne Auflagen, ohne Kontrolle. Umso erschreckender, als die obig formulierte Kenntnis über den sexuellen Missbrauch seitens des Täters kommt. Vorliegende unterzeichnete Zeugenaussagen (Art 307 StGB) von Frauen und Mütter wurden zugunsten des Täters nicht berücksichtigt.
Das KJPD St. Gallen vertritt die Auffassung, dass ein Kind sexuell missbraucht werden darf, solange der Täter dabei keine Triebbefriedigung verspürt (was schwer nachzuweisen ist). Skandalös, dass die Definition des sexuellen Missbrauchs einzig und allein am Tatempfinden des Täters ausgerichtet wird und nicht am Leiden des Opfers. Damit sind die Täter ausdrücklich legitimiert, Kinder sexuell auszubeuten, solange keine Triebbefriedigung vorliegt, respektive nicht nachgewiesen werden kann. Das Opfer kann keinen Schutz verlangen, seine Bedürfnisse unterliegen dem Tatempfinden des Täters. Der Kinderschutz Schweiz geht davon aus, dass der Anteil weiblicher Täterinnen aller sexuellen Gewalthandlungen gegen Jungen bei 25% liegt. Die Auffassung des KJPD St. Gallen erwirkt, dass diesen Jungen der Schutz vor sexuellem Missbrauch gänzlich entfällt.
Es irritiert, dass Sie sich aktiv gegen Kindesmissbrauch einsetzen - was dringend nötig und richtig ist -, dem entgegen es Ihre Kantonale Institution KJPD für rechtens hält, dass Kinder sexuell missbraucht werden dürfen. Die Veröffentlichung dieser „Fachmeinung“ hat schon etliche erschütternde Reaktionen ausgelöst, der BEOBACHTER hat darüber bereits berichtet. Das KJPD St. Gallen sorgt zum Einen dafür, dass betroffene Kinder weiter ungeschützt der sexuellen Gewalt des Täters überlassen werden, zum Anderen liefert es den Tätern Argumente, so dass sich diese dem Zugriff der Justiz, der Wegnahme und Schutz des Opfers entziehen können.
Der Schutz des Kindes fordert, dass die dafür verantwortlichen „Experten“ aus dem Verkehr gezogen werden. Es kann und darf nicht sein, dass Ihre kantonale – und damit staatliche – Kindesschutzstelle KJPD, sexuellen Missbrauch an Kindern in Expertisen explizit legitimiert und fördert. Um solche Missstände im Keim zu ersticken, werde ich auch in Zukunft diesen Skandal wo immer möglich öffentlich machen. Ich hoffe, dass ich auf Ihre Unterstützung im Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern zählen kann und freue mich auf Ihre Antwort.
Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüssen
Michael Handel
KINDER OHNE RECHTE
CO-PRÄSIDENT VEREIN ZIVILCOURAGE |