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Standort: Home > Themen > Kinderschänder > Mädchenmorde im Elsass

Basler Zeitung BAZ
05. Juli 2004

Mädchenmorde im Elsass

Zusammenhang vermutet

Nach dem gewaltsamen Tod eines kleines Mädchens, einer Jugendlichen und einer Frau im Elsass vermuten die Ermittler einen Zusammenhang zwischen den drei Fällen. Es sei nicht auszuschliessen, dass ein vergangene Woche festgenommener, als "Pierrot de Fou" ("Peter der Verrückte") bekannter Gewaltverbrecher in alle drei Verbrechen verwickelt sei, sagte am Montag ein Sprecher der Gendarmerie. Noch fehle es aber an ausreichenden Indizien für diese Hypothese, so dass die Ermittlungen bis auf weiteres getrennt liefen.

Die elf Jahre alte Jeanne-Marie, die 14-jährige Julie und eine 38 Jahre alte Frau waren zwischen dem 18. und 25. Juni verschwunden. Ihre Leichen wurden mit entblösstem Unterkörper in kleinen Bächen gefunden und wiesen Stichwunden sowie Verstümmelungen an den Geschlechtsteilen auf. Sie verschwanden alle in einem Umkreis von rund 20 Kilometern von Bourgheim, wo "Pierrot le Fou" seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis im März in einem Wohnwagen hauste. Auch ihre Leichen wurden innerhalb dieses Umkreises gefunden. Die der kleinen Jeanne-Marie lag nur zwei Kilometer vom Wohnwagen des Verdächtigten entfernt in einem Bach.

Im Fall Jeanne-Marie sind acht Mitglieder einer Famililie wegen Entführung mit Todesfolge beziehungsweise unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen hatte "Pierrot le Fou" Kontakte zu dieser Familie, die wie er dem Milieu sesshaft gewordener Roma- und Sinti angehört. Ein 16 Jahre alter Jugendlicher sagte aus, er habe das Mädchen zusammen mit seinem älteren Bruder mit dem Auto überfahren und die Leiche dann weggeschafft. Aufgrund der sexuellen Verstümmelungen wachsen jedoch die Zweifel an dieser Version.

Umgang mit Gewaltverbrechern

Gegen "Pierrot le Fou" wird bisher nur im Fall der ermordeten Julie ermittelt. An dem Fahrrad, mit dem die Jugendliche am 25. Juni auf dem Weg nach Hause verschwand, wurden Blutspuren des Verdächtigten entdeckt. In seinem Auto wiederum fanden die Ermittler Blutspuren der Getöteten. Seinem Anwalt zufolge bestreitet der 56-Jährige, der am vergangenen Mittwoch festgenommen wurde, jede Schuld.

Der Fall hat in Frankreich unterdessen eine Diskussion über dem Umgang mit Gewaltverbrechern ausgelöst. Der 56-Jährige ist acht Mal vorbestraft - unter anderem wegen Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Mordversuchs und Körperverletzung. Er hat rund 35 Jahre seines Lebens in Gefängnissen und geschlossenen Psychiatrie-Anstalten verbracht. Zuletzt wurde er im Februar 1996 in Strassburg zu 28 Jahren Haft verurteilt. Diese Strafe wurde später auf 20 Jahre reduziert, von denen er damals bereits einen Teil durch frühere Strafen und Untersuchungshaft abgebüsst hatte.

Im März dieses Jahres wurde der von einem Justizsprecher als "musterhafter Häftling" bezeichnete Gewaltverbrecher vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen. Die Eltern der toten Julie haben unterdessen für Samstag zu einem Schweigemarsch in Colmar aufgerufen. Damit solle der Forderung nach Sicherheitsverwahrung für gefährliche Verbrecher zu Nachdruck verholfen werden, sagte ihr Anwalt Thierry Moser.

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