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VEV
09. September 2007

Jetzt ist es so weit!

Heute Nacht um 2.00 klingelte beim VeV das Telefon. Es war der Vater der beiden Buben, Christian und Cassio Scherrer. Völlig aufgelöst berichtete er, dass seine beiden Buben bereits in Brasilien seien!

Was war geschehen?

Nach der überaus fragwürdigen Polizeiaktion am vergangenen Dienstag, bei welcher die Buben schlussendlich ihrer Mutter übergeben wurden, brach der Kontakt zum Vater praktisch vollständig ab. Die Kinder wurden mehrheitlich abgeschirmt und konnten mit ihrem Vater, bei dem sie die letzten 2 Jahre gelebt hatten nur noch insgesamt 2 kurze Telefongespräche führen. In beiden Gesprächen bekräftigten die Kinder ihren Willen, hier zu bleiben und sich nötigenfalls auch gegen ihre Abreise zur Wehr zu setzen. Diese Haltung der Kinder war natürlich auch deren Mutter nicht verborgen geblieben.

In direkten Gesprächen mit dem zuständigen Bremgartner Gericht versuchte der Vater der Kinder, wenigstens eine Verabschiedung am Flughafen zu erreichen. Dies wurde ihm auch zugesichert, man versprach ihm, die Mutter entsprechend anzuweisen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dieses Versprechen niemals eingelöst worden war.

Noch am Freitag ging Christian Scherrer (der Vater) davon aus, dass seine Kinder am Dienstag abend abfliegen würden und dass ihm ein Zeitfenster von ca 2-3 Stunden für die Verabschiedung zur Verfügung gestellt werden würde.

Letzte Nacht dann die schockierende Meldung: Die Kinder sind bereits in Brasilien. Offensichtlich sind Mutter und Kinder gestern Mittag um 12.15 in Zürich abgeflogen und gegen Mitternacht in Brasilien gelandet.

Christian Scherrer vermutet, dass seine Kinder nicht freiwillig mitgegangen seien, er geht davon aus, dass die Kinder ruhig gestellt worden sind. Diese Vermutung wird gestützt, durch eine Aussage von Christian Junior gegenüber einer nahen Verwandten, welcher er sagte, dass er "im Auto eingeschlafen, und erst in Brasilien wieder erwacht" sei.

Diese Aussage nährt natürlich Spekulationen und fördert den Verdacht, dass bei dieser Ausreise nicht alles korrekt abgelaufen ist. Möglicherweise war nach den Schwierigkeiten mit dem 13 jährigen Mädchen vor einigen Wochen klar, dass Massnahmen ergriffen werden mussten, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden. Kinder, die sich am Flugzeugeingang verzweifelt wehren sind eine unangenehme Sache.

Der konsultierte Vertrauensarzt des VeV bestätigt, dass entsprechende medikamentöse Möglichkeiten durchaus bestehen würden. Kinder in diesem Alter können seiner Aussage zufolge sehr leicht ruhig gestellt werden. Falls dies in diesem Falle geschehen ist, so wäre es ein Skandal ohnegleichen!

Wir fordern die involvierten Behörden deshalb auf, sofort die Umstände dieser Abreise zu klären, auch im Interesse ihrer eigenen Glaubwürdigkeit.

Aus Sicht der Kinder halten wir die Ereignisse der vergangenen Tage für traumatisch. Zuerst die lange Angst vor der Polizei, danach der überfallartige Polizeieinsatz mitten in der Nacht, anschliessend die Quasigefangenschaft in zwielichtiger Umgebung und schlussendlich praktisch eine Entführung nach Brasilien. Dies alles innerhalb weniger Tage, führt nach Aussagen des Vertrauensarztes des VeV zu enormen Belastungen und kann auch Spätfolgen für die kindliche Entwicklung haben.

Mag sein, dass die Mutter in diesem Fall juristisch im Recht ist, moralisch ist sie auf jeden Fall im Unrecht. Möglich, dass die Mutter gewonnen hat - sicher ist nur, dass die Kinder verloren haben!

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20 Minuten
06. September 2007
Alexandra Roder

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Tränen bei Ausschaffung wider Willen

Ausschaffungsdrama in Wohlen AG: Obwohl Christian (10) und Cassio (8) bei ihrem Vater in der Schweiz bleiben wollen, hat sie die Polizei am Dienstagabend abgeholt.

Christian Scherrer ist mit den Nerven am Ende. Seit drei Wochen hat der 40-Jährige seine beiden Söhne Christian und Cassio nicht mehr in die Schule gelassen – aus Angst, sie könnten von der Polizei abgefangen werden. Es half alles nichts. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat die Kantonspolizei am Dienstagabend um 22 Uhr die beiden in seiner Wohnung in Wohlen abgeholt. «Es hat Tränen gegeben», sagt Urs Spillmann, Leiter der Sozialen Dienste Wohlen, der beim Einsatz dabei war.

 
Der Vater Christian Scherrer: «Ich kämpfe weiter.» (Nicolas Y. Aebi)
 

Nun sollen die Buben zu ihrer Mutter nach Canoa Quebrada in Brasilien ausgeschafft werden. Nicht nur für Scherrer ein Albtraum, auch für seine Söhne, die bis vor einem Jahr dort gelebt haben: «Ich will nicht nach Brasilien zurück, weil dort jeden Tag jemand getötet wird», schreibt der ältere der beiden in einem Brief an Peter Thurnherr, zuständiger Gerichtspräsident in Bremgarten. Bis vor das Bundesgericht hat sich Scherrer durch alle Instanzen gekämpft. Überall ist er abgeblitzt. In dieser juristischen Schlammschlacht ist der Wunsch der Kinder offenbar irrelevant: «Wir müssen uns an das Haager Übereinkommen halten», sagt Thurnherr. Und auch Spillmann ist der Meinung: «Es ist richtig, dass das Gesetz so durchgezogen wurde.»

Ihm sei zwar bewusst, dass dies gegen den Willen der Buben passiert sei: «Wir leben in einem Rechtsstaat. Da ist das halt so.» Scherrer gibt sich jedoch nicht geschlagen: «Ich kämpfe weiter.»

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BLICK
06. September 2007
Gabriela Battaglia

Vater klagt an:«Polizei lieferte meine Kinder ins Zürcher Milieu»

WOHLEN AG – Die Polizisten sind zu dritt und bewaffnet. Aber sie sind nicht auf Verbrecherjagd – sie wollen einem Vater die Kinder wegnehmen.

Christian (10) und Cássio (8) sind bereits im Bett, als es um 22 Uhr klingelt. Panisch vor Angst rennen sie ins Bad, schliessen sich ein.

Vor der Tür stehen drei Polizisten und der Leiter des Sozialamtes von Wohlen. Sie teilen Christian S.* (40) mit, dass sie seine Söhne nun abholen.

Dann geht alles schnell. Die Polizisten übergeben die Buben ihrer brasilianischen Mutter. «Sie ist dann mit ihnen zu ihrem Freund nach Zürich gegangen, der dort ein Puff führt», empört sich der Vater. «Meine Kinder sind im Puff.» Über ein Jahr lang hat er gekämpft. Dass seine Buben bei ihm in der Schweiz bleiben können.

1997 heiratet Christian S. die Brasilianerin Rita de C.* (39). Das Paar zieht nach Brasilien, bekommt dort zwei Kinder. Die Eltern trennen sich im April 2004. Alle bleiben in Brasilien. Die Mutter erhält das Sorgerecht – laut Christian S. lebten die Kinder aber bei ihm.

Im Mai 2006 reist er mit ihnen in die Schweiz. Die Mutter gibt die Einwilligung für einen einmonatigen Aufenthalt. Doch Christian und Cássio wollen nicht mehr zurück. Nicht nach Brasilien und nicht zur Mutter. Vor Gericht verlangt sie die Rückführung ihrer Kinder. Und bekommt Recht.

Der Vater zieht den Fall bis ans Bundesgericht. Ohne Anwalt. Vergeblich. Die Kinder müssen aufgrund des Haager Kindesentführungsübereinkommens nach Brasilien (siehe Box rechts).

Im Frühling lässt Christian S. seine Söhne von einem Kinderpsychiater begutachten. Sie erzählen ihm von sexuellen Übergriffen in Brasilien. Der Kinderpsychiater rät dringend von einer Rückführung in das Heimatland der Mutter ab.

Im Juni wird der ältere Bub vom Präsidenten des Bezirksgericht Bremgarten befragt. Christian erzählt ihm, er wolle auf gar keinen Fall zurück nach Brasilien. Er bekomme Albträume. Doch die Behörden bleiben bei ihrem Entscheid.

Am Dienstagabend haben sie ihn vollzogen. Drei Beamte, bewaffnet. «Einer der Polizisten ist sehr aggressiv aufgetreten», sagt Christian S. zu BLICK. Ein Kinderpsychologe, der die Kinder hätte betreuen können, war nicht vor Ort.

«Ich brauchte 15 Minuten, um meine Söhne zu beruhigen», sagt Christian S. Bei der Kapo Aargau heissts dagegen: «Für uns ist der Einsatz reibungslos verlaufen.» Anders als beim ersten Versuch am Morgen. Da zogen die Polizisten ab – es hatte zu viele Reporter und TV-Kameras.

Die Mutter versteht die Aufregung nicht. «Es ist der Vater, der so ein Theater macht», sagt Rita de C. «Ich habe genug Geld, um mich in Brasilien um die Kinder zu kümmern.» Gegenüber BLICK haben die verstörten Buben geklagt: «Unsere Mutter schlägt uns.»

Für die Behörden ist das Familien-Drama erledigt. «Es gab einen rechtskräftigen Entscheid, der vollzogen werden musste», sagt der Bremgartner Bezirksgerichtspräsident Peter Turnherr. Der Vater habe alles sabotiert. «Die ganze Situation ist unschön», räumt Turnherr ein.

Christian S. kämpft weiter für seine Buben. Doch dafür müsste in Brasilien ein Gericht seiner Frau das Sorgerecht entziehen. Und das sieht für den Schweizer schlecht aus.

*Namen der Redaktion bekannt

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20 Minuten
07. September 2007

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