Vater klagt an:«Polizei lieferte meine Kinder ins Zürcher Milieu»
WOHLEN AG – Die Polizisten sind zu dritt und bewaffnet. Aber sie sind nicht auf Verbrecherjagd – sie wollen einem Vater die Kinder wegnehmen.
Christian (10) und Cássio (8) sind bereits im Bett, als es um 22 Uhr klingelt. Panisch vor Angst rennen sie ins Bad, schliessen sich ein.
Vor der Tür stehen drei Polizisten und der Leiter des Sozialamtes von Wohlen. Sie teilen Christian S.* (40) mit, dass sie seine Söhne nun abholen.
Dann geht alles schnell. Die Polizisten übergeben die Buben ihrer brasilianischen Mutter. «Sie ist dann mit ihnen zu ihrem Freund nach Zürich gegangen, der dort ein Puff führt», empört sich der Vater. «Meine Kinder sind im Puff.» Über ein Jahr lang hat er gekämpft. Dass seine Buben bei ihm in der Schweiz bleiben können.
1997 heiratet Christian S. die Brasilianerin Rita de C.* (39). Das Paar zieht nach Brasilien, bekommt dort zwei Kinder. Die Eltern trennen sich im April 2004. Alle bleiben in Brasilien. Die Mutter erhält das Sorgerecht – laut Christian S. lebten die Kinder aber bei ihm.
Im Mai 2006 reist er mit ihnen in die Schweiz. Die Mutter gibt die Einwilligung für einen einmonatigen Aufenthalt. Doch Christian und Cássio wollen nicht mehr zurück. Nicht nach Brasilien und nicht zur Mutter. Vor Gericht verlangt sie die Rückführung ihrer Kinder. Und bekommt Recht.
Der Vater zieht den Fall bis ans Bundesgericht. Ohne Anwalt. Vergeblich. Die Kinder müssen aufgrund des Haager Kindesentführungsübereinkommens nach Brasilien (siehe Box rechts).
Im Frühling lässt Christian S. seine Söhne von einem Kinderpsychiater begutachten. Sie erzählen ihm von sexuellen Übergriffen in Brasilien. Der Kinderpsychiater rät dringend von einer Rückführung in das Heimatland der Mutter ab.
Im Juni wird der ältere Bub vom Präsidenten des Bezirksgericht Bremgarten befragt. Christian erzählt ihm, er wolle auf gar keinen Fall zurück nach Brasilien. Er bekomme Albträume. Doch die Behörden bleiben bei ihrem Entscheid.
Am Dienstagabend haben sie ihn vollzogen. Drei Beamte, bewaffnet. «Einer der Polizisten ist sehr aggressiv aufgetreten», sagt Christian S. zu BLICK. Ein Kinderpsychologe, der die Kinder hätte betreuen können, war nicht vor Ort.
«Ich brauchte 15 Minuten, um meine Söhne zu beruhigen», sagt Christian S. Bei der Kapo Aargau heissts dagegen: «Für uns ist der Einsatz reibungslos verlaufen.» Anders als beim ersten Versuch am Morgen. Da zogen die Polizisten ab – es hatte zu viele Reporter und TV-Kameras.
Die Mutter versteht die Aufregung nicht. «Es ist der Vater, der so ein Theater macht», sagt Rita de C. «Ich habe genug Geld, um mich in Brasilien um die Kinder zu kümmern.» Gegenüber BLICK haben die verstörten Buben geklagt: «Unsere Mutter schlägt uns.»
Für die Behörden ist das Familien-Drama erledigt. «Es gab einen rechtskräftigen Entscheid, der vollzogen werden musste», sagt der Bremgartner Bezirksgerichtspräsident Peter Turnherr. Der Vater habe alles sabotiert. «Die ganze Situation ist unschön», räumt Turnherr ein.
Christian S. kämpft weiter für seine Buben. Doch dafür müsste in Brasilien ein Gericht seiner Frau das Sorgerecht entziehen. Und das sieht für den Schweizer schlecht aus.
*Namen der Redaktion bekannt
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